Kaum etwas wird in den Sportwissenschaften so kontrovers diskutiert wie das Ermitteln der richtigen Trainingsherzfrequenzen via Laktatmessung.
(Fortsetzung)
- was aber durchaus auch zum Ziel führen kann, weil der Mensch ja
sehr komplex und oft völlig verschieden im Vergleich zu anderen Individuen
agiert/ist.
Irgendwann in
den späten Siebzigern des vorigen Jahrhunderts wurde die Laktatmessung
sozusagen erfunden. Man schnappte sich eine Handvoll sportlicher oder
halbsportlicher Leute, ermittelte, was es zu ermitteln galt, stellte gewisse
Übereinstimmungen fest, und schwupp, hatte man schon die 2- und die
4-mmol-Schwelle. Die 2er-Schwelle nannte man aerobe Schwelle, die 4er anaerobe,
den Bereich dazwischen aerob-anaeroben Übergangsbereich. Fortan war vor allem
die höhere der beiden Schwellen die allgemein interessante, ab 4 mmol wurde
jeder Sportler auf dieser Welt anaerob, das heißt, er begann ab dieser
Intensität, weniger Sauerstoff aufzunehmen als zu verbrauchen. Nicht
absichtlich, dieses Prozedere rennt automatisch ab. Erst in neuerer Zeit kam
man dahinter, dass diese sieben bis zwölf Personen von damals nicht unbedingt
eine repräsentative Mehrheit waren, aus deren Werten man nun sämtliche Maximen
für den Ausdauersport hätte ableiten dürfen.
Und noch etwas;
die meisten Sportwissenschaftler (so sie sich nicht auch zu den Ärzten zählen)
dürften in Österreich eigentlich gar keine Laktattests durchführen, da diese zu
den "blutigen" Messmethoden zählen…und noch etwas; die meisten
Sportwissenschaftler lassen ihre Probanden (wohl aus Zeit- und Geldgründen) zu
kurz laufen/radeln/sonst was auf den einzelnen Belastungsstufen; seriöse Werte
bekommt man allerdings erst nach 6-8 Minuten, weil dann das Laktat erst dort
ist, wo es auch hingehört. Das heißt wiederum, dass meist Werte ermittelt
werden, die vorgaukeln, dass man viel stärker ist als man in Wirklichkeit ist.
Eines ist aber
gewiss; wer in regelmäßigen Abständen, mit den gleichen Voraussetzungen (also
gleiche Testmethoden, gleiche Tageszeit, gleiche Ernährungssituation, gleiche
Trainingsvorbereitung in den Tagen davor, usw., alles ganz leicht zu
realisieren…) sein Laktat messen lässt, hat wenigstens halbwegs brauchbare
Vergleichswerte. Man könnte aber auch Wettkämpfe absolvieren stattdessen, um zu
sehen, ob man leistungsfähiger geworden ist oder nicht.