Wachaumarathon 2012 - Aus dem Blickwinkel der Letzt-Platzierten

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Eigentlich wollte ich ja dieses Jahr endlich mitlaufen - den Halbmarathon in der Wachau. Dann hab ich mich doch dazu entschieden nur als radfahrende Begleiterin mit dem Sohn meiner Freundin dabei zu sein.



(Fortsetzung)

„Das war ja erst die Halbzeit, im Ziel wird sie ja viel zu spät ankommen." Und weiteres meinte er, dass die Entscheidung über eine derartige Disqualifizierung nun mal bei der Leitung läge und bereits gefallen sei. Danach ging das Fenster wieder hoch und die Schlusswagenkolonne fuhr an uns vorbei, inklusive des Autobusses, indem bereites einige - wahrscheinlich auch zu langsame - LäuferInnen saßen.

Ab dem Moment ungefähr begann ich mich wie in einem falschen Film zu fühlen. Wie musste es da erst A. gehen, die nach wie vor tapfer vor mir herlief. Kurz nach Spitz kam das erste Mal die Polizei und teilte uns mit, dass wir in Bälde die B3 zu verlassen hätten, da deren Sperre in Kürze aufgehoben werden würde. Was das Ganze zu bedeuten hatte wurde mir erst klar als wir am nächsten Versorgungsstopp bei Km 23.2 eintrafen, wo die Crew bereits eifrig dabei war diesen abzubauen. A. hatte aber dort einen Teil ihre Eigenverpflegung deponiert. Diese war nun nicht mehr auffindbar oder nicht mehr vorhanden. A. geriet in leichte Panik. Kein Wunder, wie sollte sie denn die nächsten 17 Km laufen, ohne jegliche Verpflegung. Ich raste vor um wenigstens die Ration von Km 30.6 zu retten. Plötzlich wurde ich wieder von der Polizei gestoppt die mich aufforderte die Bundesstraße sofort zu verlassen, da die Sperre in Kürze aufgehoben werden würde. Nachdem ich dem Polizisten die Lage geschildert hatte, erlaubte er mir großzügiger Weise noch bis Km 26.8 zu fahren, wo ich dann zumindest noch einige Flaschen Wasser sowie Energy Riegel und Gels auftreiben konnte.

Ich traf gleichzeitig mit einem weiteren Polizisten bei meiner Freundin ein. Dies war nun die dritte und sehr ernst gemeinte Verwahrung. Obwohl die B3 noch immer gesperrt war, Reinigungspersonal mit Müllautos, zahlreiche Radfahrer und sogar Skater unterwegs waren, legte er uns nahe diese sofort zu verlassen, da er sich ansonsten gezwungen sehen würde uns in „Gewahrsam zu nehmen". Jetzt begannen wir uns absolut unwohl und unerwünscht zu fühlen, gleich einem Klotz am Bein der schnellen Marathonsportler. Auch die Crew, vorher sehr hilfreich, motivierend und unterstützend, zeigte uns nun die kalte Schulter.

Offenbar war ihre Arbeit ja erledigt. Um dem vorläufigen „In - Gewahrsam - nehmen" und/oder einem frühzeitigen Unfalltot zu entgehen, verließen wir bei Dürnstein brav die Bundesstraße und nahmen, wie man uns mehrmals empfohlen hatte, den Radwege Nr.6. Nun, Jede/r der ihn einmal gefahren ist weiß, dass dieser über eine spannende abwechslungsreiche Streckenführung verfügt. Auf unterschiedlichstem Belag (von Kopfsteinpflaster bis Schotterdecke), verläuft er hügelauf- und hügelab durch idyllische Weingärten und enge Dorfstraßen. Erschwert wurde das Laufen noch zusätzlich durch den stellenweise regen Straßenverkehr, die vielen teilweise ungeduldige Radfahrer und ein Mangel an Support und Toiletten. Kurz gesagt: Es glich eher einem wilden Geländelauf als eine Marathonstrecke. Ich möchte aber auch erwähnen, dass der Großteil der Bevölkerung äußerst hilfsbereit und verständnisvoll war und mich an dieser Stelle z.B. bei allen Gastronomen bedanken die uns die Wasserflaschen schnell wieder gefüllt haben.

Ca. bei Km 34 bis 38 ereilte A. das große Tief, das vielen Marathon-LäuferInnen bekannt sein dürfte. Leider fehlte es fast gänzlich an aufmunternden Zurufen und Klatschen und Anspornen des Publikums, welches oft hilft mental neue Kräfte zu mobilisieren. A. hat trotzdem nicht aufgegeben! Und sie kam ins Ziel, umjubelt von ihren FreundInnen und den ArbeiterInnen vor Ort. Leider gab es weder etwas zu trinken noch zu essen und die Medaille mussten wir uns „erbetteln". Das Zieleinlauf Foto (s. unten) zeigt die offizielle Uhr mit 6 Stunden 13:Minuten und 25 Sekunden. Falls diese Uhr eine korrekte Zeit anzeigte, war es also nicht einmal eine viertel Stunde, die A. überzogen hatte.

Offenbar haben die Veranstalter einen äußerst knappen Zeitplan kalkuliert und nur eine sehr kleine Zeitspanne für LäuferInnen deren Leistungen außerhalb der Norm liegen. Und A.s. Leistung liegt in diesem Fall sicher außerhalb der Norm, nämlich weit darüber. Wie hätte sie sonst unter so widrigen, ja nahezu feindlichen Umständen ihren ersten Marathon bewältigen können? Ich denke sie verdient dafür Anerkennung und ein großes Lob und seitens der Veranstalter wäre eine Entschuldigung mehr als angebracht. Wie gesagt, eigentlich wollte ich ja dieses Jahr endlich den Habmarathon laufen, aber nach dem Erlebten muss ich ehrlich gestehen, dass ich sehr froh bin es doch nicht getan zu haben.

Beate Wendelin

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